SYMPOSIUM

Suchtmittelkonsum in der Schweiz

Trends und neue Herausforderungen

act-info
  Donnerstag, 5. März 2009, STADE DE SUISSE Wankdorf Bern   français
     
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Abstracts

Marina Delgrande
Etienne Maffli
«Trends im Profil der Klienten und Klientinnen der Suchthilfe: Ergebnisse des Monitoringssystems act-info »
Das 2004 eingeführte Monitoringsystem act-info ist das Ergebnis der Harmonisierung der fünf bestehenden Teilstatistiken im Bereich der Suchthilfe. Die laufende Datenerhebung zu den Klientinnen und Klienten des Suchthilfesystems stellt eine wichtige Informationsquelle für den Bereich des Substanzmissbrauchs dar. Diese soll unter anderem die Identifizierung von Tendenzen in den betroffenen Populationen hinsichtlich der Problemsubstanzen und der Charakteristiken der betroffenen Personen erlauben.
Unter Berücksichtigung der methodischen Herausforderungen wird der Vortrag zunächst auf die Entwicklung der Aufnahmen je nach Hauptproblemsubstanz eingehen. Die Trends hinsichtlich der Konsummuster (Einnahmefrequenz, Alter zu Beginn des Problemkonsums, Injektionsverhalten) sowie hinsichtlich des soziodemographischen Profils werden dann für die einzelnen Problembereiche aufgezeichnet. Schliesslich werden behandlungsbezogene Aspekte, insbesondere die Umstände der Behandlungsbeendigung beleuchtet. Die vorgestellten Ergebnisse basieren hauptsächlich auf den act-info-Erhebungen der Jahre 2004 bis 2007. Vergleichbare Daten der Jahre vor der Harmonisierung der Teilstatistiken werden teilweise auch herangezogen, damit längere Zeiträume berücksichtigt werden können.
Franziska Eckmann «Suchtbehandlung in Abhängigkeit. Die Entwicklung von Konsum, Zuweisung und Behandlungsangebot»
Dass in erster Linie fachliche, evidenzbasierte Kriterien die Suchtbehandlungen und die Angebotsentwicklung leiten, ist wohl eher Wunsch als Realität. Die Behandlungsangebote sind abhängig von verschiedenen anderen Einflussfaktoren, welche die Inhalte wie auch die Organisationen massgeblich prägen. Zuerst waren es v.a. die stationären Angebote im illegalen Bereich, welche bereits seit mehr als 10 Jahren mit immer neuen Anforderungen von Seiten der Behörden und Zuweiser konfrontiert waren, mit etwas Verzögerung ist auch der ambulante und der legale Behandlungsbereich - wenn auch mit  etwas anderen Vorzeichen - mit den ähnlichen Mechanismen konfrontiert.

Verändert hat sich in den letzten Jahren zum einen das Konsumverhalten der KlientInnen. Verzeichnet wird u.a ein Rückgang des Opiatkonsums, welche ebenfalls am gestiegenen Durchschnittsalter der KlientInnen feststellbar ist, und zwar sowohl  in den stationären Therapien, den Methadonprogrammen als auch den Heroingestützten Behandlungen. Die Behandlungsantworten auf den Konsum der verschiedenen Substanzen unterscheiden sich in Bezug auf das Setting wie auch in der zeitlichen Dimension und wirken sich somit auf die Nachfrage der verschiedenen Therapieangebote aus.

Weitere zentrale Einflussfaktoren der letzten Jahre sind das Zuweisungsverhalten der traditionellen Platzierer (Sozialdienste, Beratungsstellen), aber auch die veränderten Vorgaben von Behörden, welche den Zugang zu den Therapien massgeblich steuern, u.a. durch Therapiezeitbeschränkungen, Platzierungen innerhalb der Kantone sowie die finanzgeleitete Berücksichtigung von Therapieeinrichtungen.
Veränderungen bei der Klientel wie auch in der Zuweisungspraxis bewirken, dass die Behandlungsangebote ihre Konsequenzen ziehen. Therapieschliessungen, Konzeptanpassungen, Umorientierung bezüglich Zielgruppen (u.a. weg vom Suchtbereich) und der Aufbau von Angeboten, welche andere ambulante oder stationäre Therapieangebote wiederum neu konkurrenzieren, beeinflussen und verändern die Suchtbehandlungen massgeblich.
Michael Schaub «Behandlung von Kokainabhängigen – Angebote, Probleme und Nachfragen»
HINTERGRUND: Die Anzahl an Behandlungsanfragen aufgrund von Kokainabhängigkeit haben in der Schweiz in den letzten Jahren stetig zugenommen. Die meiste Forschung zu Ansätzen zur Behandlung von Kokainabhängigkeit stammt aber aus den USA und längst nicht alle Ansätze aus den USA lassen sich auf schweizerische Verhältnisse adaptieren. Deshalb wurde das Projekt Glossar zu Kokainbehandlungen im Jahre 2005 ins Leben gerufen, welches auf Literaturübersichten und Erfahrungen von Behandelnden basiert.

METHODE: Zur Erhebung der gegenwärtigen Anwendungen von und den in diesem Zusammenhang gemachten Erfahrungen und Problemen mit Behandlungsansätzen wurde im Sommer 2008 eine Umfrage durchgeführt. Dazu wurde ein online Fragebogen für 327 Behandelnde aus spezialisierten Behandlungsstellen zu gängig gemacht, der ihre Erfahrungen mit den im Glossar beschriebenen Behandlungsansätzen erhob.

RESULTATE: Von den angewandten psychotherapeutischen Ansätzen wurden am meisten die kognitiv-behavioralen und die systemischen angegeben. Im Widerspruch zu aktuellen Forschungsergebnissen wurde am meisten Methylphenidat und seltener Modafinil verordnet. Wobei die Kombination von kognitiv-behavioralen Ansätzen mit Methylphenidat am gebräuchlichsten war. Als wichtigster Anpassungsbedarf bei den gegenwärtigen Behandlungsangeboten wurde die Ermöglichung von einem schnellen Hilfezugang sowie die Erleichterung von kurzfristigen Hospitalisationen bei Kriseninterventionen angeführt.

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Erste Schritte zur Adaption von Behandlungsansätzen für Kokainabhängige wurden unternommen und erste Probleme im untersuchten Behandlungssystem identifiziert. Bis für die Schweiz geeignete, aktuelle Behandlungsansätze bereit stehen, bedarf es weiterhin intensiver interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Françoise Dubois-Arber «Konsummuster und Situation der Konsumierenden in den niederschwelligen Angeboten der Schweiz: neue Herausforderungen»
Les structures à bas seuil d’accès ont été développées dans le courant des années 1980, principalement sous la pression de l’épidémie du VIH/sida et des hépatites. Elles offraient – et offrent toujours - une palette de services facilement accessibles pour les consommateurs de drogues, sans que ceux-ci soient obligés d’entrer dans une démarche thérapeutique : remise de matériel d’injection stérile, espaces de consommation, petits soins de base, petits jobs, repas, lieu de repos, douches, etc.  Les personnes dépendantes qui fréquentaient ces lieux se trouvaient en général en situation de grande précarité, désinsérées socialement, et hors de tout accès aux soins liés à la dépendance et au VIH/sida.
Des enquêtes répétées dans ces structures, destinées principalement à suivre l’évolution de la situation sociale et des comportements de consommation et de prévention du VIH /hépatites, ont permis de constater des évolutions sensibles au sein de la clientèle de ces structures. On a ainsi pu observer une évolution du profil des usagers, de leurs pratiques de consommation, des comportements préventifs, des rapports des usagers avec les thérapies, que ce soit pour leur dépendance ou pour les maladies infectieuses. Ces évolutions doivent être prises en compte dans la réflexion sur le devenir des structures de façon à ce qu’elles s’adaptent mieux aux nouveaux profils et besoins des usagers.

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